Max Weinkamm

40 Jahre ZWW - Ein Beitrag von Max Weinkamm

Uri­dee des Grün­dungs­prä­si­den­ten der Uni­ver­si­tät Augs­burg, Prof. Dr. Louis Per­ri­don, war die Verpf­lich­tung der Pro­fes­so­ren, ne­ben der Leh­re für die Stu­den­ten auch Verpf­lich­tun­gen zu Lehr­ver­an­stal­tun­gen im Kon­takt­stu­di­um für be­ruf­s­tä­ti­ge Aka­de­mi­ker zu über­neh­men. Da­mit soll­te der en­ge Kon­takt zwi­schen Wis­sen­schaft und Pra­xis ge­währ­leis­tet sein.

In den ers­ten Ver­trä­gen der be­ru­fe­nen Pro­fes­so­ren war die­se Verpf­lich­tung noch aus­drück­lich ent­hal­ten. Wir als Stu­den­ten kämpf­ten da­mals da­ge­gen, da wir glaub­ten, dass Lehr­ka­pa­zi­tä­ten von uns zu­guns­ten be­ruf­s­tä­ti­ger Füh­rungs­kräf­te ab­ge­zo­gen wer­den.

Rück­bli­ckend hat­te ich die Eh­re, als jun­ger Stu­dent im ent­sp­re­chen­den Uni­ver­si­täts­aus­schuss für das Kon­takt­stu­di­um als stu­den­ti­scher Ver­t­re­ter da­bei zu sein, als wir Dr. Mi­cha­el Kochs als ers­ten Ge­schäfts­füh­rer – nach mei­ner Er­in­ne­rung 1973 – ein­s­tell­ten.

In der Fol­ge er­wies sich un­se­re Be­fürch­tung als völ­lig un­be­rech­tigt, da die be­ru­fe­nen Pro­fes­so­ren und ih­re spä­te­ren Kol­le­gen ab­lehn­ten, sich für den Ein­satz im Kon­takt­stu­di­um verpf­lich­ten zu las­sen. Das Team im Kon­takt­stu­di­um rea­gier­te gut und hol­te er­fah­re­ne Prak­ti­ker mit aka­de­mi­scher Aus­bil­dung, um die da­mals noch un­ge­wohn­te Wei­ter­bil­dung auf die­sem Ni­veau für be­ruf­s­tä­ti­ge zu si­chern.

Es gab so­gar das „Kon­takt­stu­di­um Ma­na­ge­men­t“, als Mo­dell­ver­such vom BMBF ge­för­dert über vie­le Jah­re. Ich pro­fi­tier­te als „Kun­de“ ab En­de der 70er Jah­re sehr stark von die­sem äu­ßerst güns­ti­gen An­ge­bot, nicht nur in Form von Ein­zel­ver­an­stal­tun­gen am Wo­che­n­en­de, son­dern auch in län­ger­fris­ti­gen Kur­sen.

Un­ver­ges­sen ist mir ei­ne Wo­che in Ir­see, wo wir 1981 oder 1982 noch vor der of­fi­zi­el­len Er­öff­nung des re­no­vier­ten Bil­dungs­zen­trums des Be­zir­kes Schwa­ben die­ses ehe­ma­li­ge Klos­ter für ei­ne Wo­che zu ei­nem harm­los be­ti­tel­ten Se­mi­nar „Kon­fe­renz­tech­ni­k“ nut­zen durf­ten. Do­zen­ten wa­ren Mi­cha­el Kochs und Bar­ba­ra Reh­mann.

Es war in der Selbs­t­er­fah­rung für mich ei­ne un­glaub­li­che Wo­che mit ei­ner Grup­pen­dy­na­mik, die ich bis da­hin trotz des wirt­schafts- und so­zial­wis­sen­schaft­li­chen Stu­di­ums nicht für mög­lich ge­hal­ten ha­be. Ge­stärkt als „Al­pha-Tier“ war mein ers­tes „Op­fer“ bei der Heim­kehr nach Hau­se ein Nach­bar, der sich über in sei­nen Gar­ten ge­f­lo­ge­ne Bäl­le un­se­rer Kin­der bei mei­ner Frau und un­se­rer Nach­ba­rin be­schwer­te und mei­ne gan­ze psy­cho­dy­na­mi­sche En­er­gie in vol­ler Wucht emp­fing und flucht­ar­tig das Ge­spräch be­en­de­te. Seit dem hat­ten wir das bes­te Ver­hält­nis. Ei­ne zwei­te hoch­span­nen­de Er­fah­rung war An­fang der 90er Jah­re ein min­des­tens 4-5 tei­li­ger Füh­rungs­kurs mit je­weils 2 Ta­gen, bei dem in den 3-4 wöchi­gen Zwi­schen­zei­ten prak­ti­sche Klein­pro­jek­te zur Ver­bes­se­rung der Zu­sam­men­ar­beit mit dem en­ge­ren Ar­beits­team selbst­ver­ant­wor­tet statt­fan­den und de­ren Er­fah­run­gen im fol­gen­den Mo­dul re­f­lek­tiert wur­den. Ei­ne von mir sehr ge­schätz­te Mit­ar­bei­te­rin sag­te mir da­mals: „Sie ha­ben Mut, sich selbst und ihr Ver­hal­ten von uns in Fra­ge stel­len zu las­sen“. Ich war da­mals Ver­wal­tungs­lei­ter der Hanns-Sei­del-Stif­tung und stürz­te Be­triebs­rat und Ge­schäfts­füh­rung in Ver­wir­rung durch die­sen „un­er­hör­ten Pro­zes­s“ mit mei­nen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern.

Die drit­te Er­fah­rung war ei­ne in­ten­si­ve Wo­che mit Selbst­ver­sor­gung in Si­on im Kan­ton Wal­lis, in ei­nem der von Kurt Bösch der Uni­ver­si­tät Augs­burg spen­dier­ten Häu­s­ern. Dort lern­te ich ein­mal die frie­dens­s­tif­ten­de Funk­ti­on des selbst­zu­be­rei­te­ten ge­mein­sa­men Es­sens nach vor­he­ri­gen Kon­f­lik­ten in der Grup­pe ken­nen und au­ßer­dem die un­glaub­li­che Leis­tung, die ei­ne Grup­pe im Stan­de ist zu er­brin­gen, wenn sie vor neue Her­aus­for­de­run­gen in der Höhe von bis zu 3000 Me­tern ge­s­tellt wird.

Dann be­geg­ne­te mir das ZWW im Jah­re 2008/2009 in mei­ner neu­en Funk­ti­on als So­zial­re­fe­rent der Stadt Augs­burg, als Part­ner­or­ga­ni­sa­ti­on für die Qua­li­fi­ka­ti­on des Füh­rungs­nach­wuch­ses bei der Stadt, mit mir bis da­hin un­be­kann­ten, aber sehr kom­pe­ten­ten Do­zen­ten und Mo­de­ra­to­ren. Fa­zit:Ich möch­te mei­ne Er­fah­run­gen mit dem Kon­takt­stu­di­um bzw. mit dem ZWW nicht mis­sen. Es hat mich in mei­ner Füh­rungs­pra­xis sehr sehr po­si­tiv be­g­lei­tet und wei­ter­ent­wi­ckelt.

Max Wein­kamm