Markus Schilling

Bildung als Dienstleistung

So hat­te ich mir das nicht vor­ge­s­tellt: Nach dem Ab­i­tur in Ulm und dem Wehr­di­enst end­lich der Stu­di­en­platz an der Uni­ver­si­tät: „hei­mat­nah“ in Augs­burg und zu­ge­wie­sen von der Zen­tra­len Ver­ga­be­s­tel­le für Stu­di­en­plät­ze (ZVS). An­ge­kom­men in ei­ner so­ge­nann­ten „Re­for­m­u­ni­ver­si­tät“, die ge­ra­de ver­such­te, das Klein­grup­pen­kon­zept an den Mas­sen­stu­di­en­gang Be­triebs­wirt­schafts­leh­re an­zu­pas­sen – mit den ent­sp­re­chen­den Rei­bungs­ver­lus­ten vor al­lem auf Sei­ten der Stu­die­ren­den. Die uni­ver­si­tä­re Rea­li­tät ent­sprach so­mit über­haupt nicht mei­nen Vor­stel­lun­gen, Wün­schen, Er­war­tun­gen an In­hal­te, Di­dak­tik, mo­der­ne Lehr­me­tho­den, In­ter­ak­ti­on, kri­ti­schem Dis­kurs, selb­stän­di­ges Ler­nen, Li­te­ra­tur­stu­di­um und vi­el­leicht auch ein we­nig hu­ma­nis­ti­scher Bil­dung.

Im 4. Se­mes­ter sprach mich dann ei­ne Kom­mi­li­tonin an, ob ich nicht beim „kon­takt­stu­di­um ma­na­ge­men­t“ am Wo­che­n­en­de „job­ben“ möch­te. Dort such­ten Sie je­mand, der die Au­ßen­s­tel­le in Neu-Ulm an Se­mi­n­ar­wo­che­n­en­den be­t­reu­en könn­te. Ich hol­te mir das ge­druck­te Ver­an­stal­tung­s­pro­gramm und die Ima­ge­bro­schü­re – Goog­le gab es da­mals noch nicht – und stell­te mich dem Lei­ter, Dr. Mi­cha­el Kochs, vor. Die „Che­mie“ zwi­schen uns bei­den hat so­fort ge­passt. Dr. Kochs gab mir den „Jo­b“ als stu­den­ti­sche Hilfs­kraft und schenk­te mir gleich­zei­tig das Ver­trau­en, die Se­min­ar­be­t­reu­ung für das „kon­takt­stu­di­um“ an der Au­ßen­s­tel­le selb­stän­dig und ei­gen­ver­ant­wort­lich zu ma­na­gen. Als die Se­mi­na­re kos­tenpf­lich­tig wur­den und aus­sch­ließ­lich in den Räu­men auf dem neu­en Cam­pus in Augs­burg statt­fan­den, bot er mir an, hier wei­ter­zu­ar­bei­ten. Au­ßer­dem ar­bei­te­te ich für den „Schwä­b­i­schen Kunst­som­mer in Ir­see“ – eben­falls ein An­ge­bot des ZWWs. Spä­ter wech­sel­te ich dann in den neu auf­ge­bau­ten Wis­sens- und Tech­no­lo­gie­trans­fer und war hier für den Mün­che­ner Bu­si­ness­plan Wett­be­werb tä­tig.

Für mich war die Ar­beit am ZWW nie­mals nur ein „Jo­b“. Es war das Kon­trast­pro­gramm zum sons­ti­gen All­tag an der Uni­ver­si­tät: Er­mög­li­chungs- statt Er­zeu­gung­s­päda­go­gik, wert­schät­zen­der, kun­den­o­ri­en­tier­ter Um­gang mit Teil­neh­mern in der Er­wach­se­nen­bil­dung, in­ter­ak­ti­ve Lehr­me­tho­den, kri­ti­sche Dis­kus­sio­nen, Be­wer­tung der Re­fe­ren­ten, Qua­li­täts­ma­na­ge­ment, ziel­grup­pen­o­ri­en­tier­te Se­mina­r­an­ge­bo­te - kurz­um Bil­dung als Di­enst­leis­tung und nicht als „ho­heit­li­cher Ak­t“. Ne­ben­bei kam ich mit vie­len in­ter­es­san­ten Teil­neh­mern und Do­zen­ten ins Ge­spräch, lern­te Me­tho­dik, Di­dak­tik, Rhe­to­rik, Se­mi­nar­kon­zep­ti­on und Ver­an­stal­tungs­ma­na­ge­ment in der Pra­xis ken­nen und schrieb spä­ter so­gar mei­ne Di­p­lom­ar­beit über pro­zess­o­ri­en­tier­tes Qua­li­täts­ma­na­ge­ment in der Wei­ter­bil­dung. 

Heu­te bin ich selbst Do­zent und u.a. ver­ant­wort­lich für das Wei­ter­bil­dung­s­an­ge­bot bei evo­bis für am­bi­tio­nier­te, tech­no­lo­gie­o­ri­en­tier­te Un­ter­neh­mens­grün­der. Ei­ni­ge die­ser Work­shops fin­den auch am ZWW statt. Das „Hand­werks­zeu­g“ da­zu ha­be ich hier ge­lernt. An die­ser Stel­le gilt mein ganz be­son­de­rer Dank Herrn Dr. Mi­cha­el Kochs und al­len Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, für die lang­jäh­ri­ge, ver­trau­ens­vol­le, lehr­rei­che, an­re­gen­de und hu­mor­vol­le Zu­sam­men­ar­beit wäh­rend mei­ner Stu­di­en­zeit.Ich wün­sche den Ver­ant­wort­li­chen am  ZWW, dass es ih­nen wei­ter­hin ge­lingt, at­trak­ti­ve, ein­zi­g­ar­ti­ge An­ge­bo­te zu ent­wi­ckeln und trotz ver­schärf­tem Wett­be­werb ein Leucht­turm der uni­ver­si­tä­ren Wei­ter­bil­dung in Deut­sch­land zu blei­ben.