Interviews zu 40 Jahre ZWW

Tho­mas Wöhrl:
„Lie­be Frau Ma­letz­ki, lie­be Frau Sch­midt, 40 Jah­re ZWW sind ei­ne lan­ge Zeit. Sie bei­de sind seit An­fang, seit den ers­ten Stun­den des ZWW mit da­bei ge­we­sen. Kön­nen Sie uns et­was da­von er­zäh­len, wie das al­les so an­ge­fan­gen hat­te?“

In­grid Ma­letz­ki:
„Da­mals hat die Uni ge­ne­rell Stel­len aus­ge­schrie­ben, es war so­zu­sa­gen die Grün­dungs­pha­se der Re­for­m­u­ni­ver­si­tät. 1970 ha­ben die ers­ten Lehr­stüh­le ih­re Ar­beit auf­ge­nom­men. Un­ser ers­ter Kon­takt bei dem Vor­stel­lungs­ge­spräch war der da­ma­li­ge Kanz­ler, Dr. Die­ter Köh­ler, der uns meh­re­re Ar­beits­mög­lich­kei­ten inn­er­halb der Uni an­bot. Die Fa­kul­tä­ten wa­ren auf ver­schie­de­nen Stel­len in der Stadt ver­teilt. Auch un­ser ‚Kon­takt­stu­di­um‘ wur­de zeit­wei­se in die Froh­sinn­stra­ße ver­legt.“

Ju­lia Sch­midt:
„Ich freu­te mich dar­auf, mit ei­ner neu­en deut­sch­land­weit zu­sam­men­ge­such­ten Mann­schaft ei­ne neue Ab­tei­lung auf­zu­bau­en. ‚Kon­takt­stu­di­um-Wei­ter­bil­dung für Er­wach­se­ne‘, das hör­te sich in­ter­es­sant an. Herr Kochs kam im Fe­bruar  1973 von Göt­tin­gen nach Augs­burg und ich im März. Im Lau­fe des Jah­res wur­den noch Frau Ber­sen­ko­witsch und Frau Da­niels als Un­ter­stüt­zung für das Se­kre­ta­riat in der Mem­min­ger Stra­ße ein­ge­s­tellt.“

In­grid Ma­letz­ki:
„Ja­nuar 1974 be­gann der Mo­dell­ver­such ‚Wei­ter­bil­dung für Füh­rungs­kräf­te aus Wis­sen­schaft und Ver­wal­tung‘, da­für soll­ten Frau Fi­scher und ich zu­stän­dig sein. Der Auf­trag war, die Er­wach­se­nen­bil­dung als drit­te Auf­ga­be der Uni­ver­si­tät ein­zu­rich­ten. Im Lau­fe des Jah­res hat sich dann das gan­ze Team for­miert. Wir hat­ten ei­nen re­la­tiv schwie­ri­gen Start an der Uni und kei­ner glaub­te, dass der Mo­dell­ver­such ein Er­folg wer­den wür­de. Prof. Dr. Louis Per­ri­don, Grün­dungs­prä­si­dent der Uni, un­ter­stütz­te uns als Schirm­herr und Pro­jekt­lei­ter.“

Ju­lia Sch­midt:
„Kei­ner der Wis­sen­schaft­ler im Team be­saß ei­nen Dok­tor- oder Pro­fes­so­ren­ti­tel, nur ei­ni­ge der Pro­gramm­di­rek­to­ren und Pro­gramm­bei­rä­te wa­ren Pro­fes­so­ren.“

In­grid Ma­letz­ki:
„Es war zwar viel Ar­beit, aber es war auch toll, weil wir stän­dig et­was Neu­es ent­wi­ckel­ten. Wir muss­ten jähr­lich ei­nen sehr um­fang­rei­chen Jah­res­be­richt an die Bund-Län­der-Kom­mis­si­on ab­lie­fern, na­tür­lich da­mals mit Sch­reib­ma­schi­ne ge­tippt, um die Wei­ter­fi­nan­zie­rung zu ge­währ­leis­ten, da wir nur Zeit­ver­trä­ge hat­ten, was für die da­ma­li­ge Zeit eher un­üb­lich war.“

Ju­lia Sch­midt:
„Bis wir dann die fes­ten Stel­len be­ka­men, war es ein har­ter Kampf. Herr Kochs war stän­dig und mit viel Durch­hal­te­ver­mö­gen da­mit be­schäf­tigt, si­che­re Stel­len für das Kon­takt­stu­di­um zu be­kom­men. Wir ha­ben ihm ver­traut und wuss­ten, dass er sich im­mer für sei­ne Mit­ar­bei­ter ein­setzt. Trotz die­ser Stel­le­n­un­si­cher­heit sind vie­le Mit­ar­bei­ter sehr lan­ge bei uns ge­b­lie­ben, nicht so wie heu­te, wo die An­sp­rech­part­ner lau­fend wech­seln und es  als Man­ko an­ge­se­hen wird, wenn man lan­ge Zeit die­sel­be Ar­beits­s­tel­le hat. Stu­di­en­be­ra­tung und Kurs­be­g­lei­tung, al­les kam aus ei­ner Hand, wir wa­ren ein rich­tig gu­tes Team und da­für wur­den wir im­mer ge­schätzt.“

In­grid Ma­letz­ki:
„Wir ha­ben uns im­mer als Ser­vice­ab­tei­lung ver­stan­den, freund­lich, zu­ver­läs­sig und  kun­den­o­ri­en­tiert. Das war da­mals un­ser Mar­ken­zei­chen. Die In­ter­es­sen­ten ka­men noch per­sön­lich in un­se­re Bür­os zur Stu­di­en­be­ra­tung,  Kurs­bu­chung und Im­ma­tri­ku­la­ti­on. Da­mals wa­ren un­se­re ‚Kon­takt­stu­den­ten‘, rich­tig­ge­hend ein­ge­schrie­be­ne Stu­den­ten an der Uni­ver­si­tät Augs­burg.“

Ju­lia Sch­midt:
„Das Stu­di­um lief über ei­nen län­ge­ren Zei­traum und be­in­hal­te­te die drei Säu­len: Ge­ne­ra­li­sie­rung, Spe­zia­li­sie­rung und Pro­jekt. Die  Kur­se wur­den im Bau­kas­ten­sys­tem ge­bucht und setz­ten sich aus Leis­tungs- und Hö­rer­punk­ten zu­sam­men.“

Tho­mas Wöhrl:
„Das war dann wie ei­ne klei­ne Uni an der Uni?“

Ju­lia Sch­midt:
„Augs­burg war ja Re­for­m­u­ni­ver­si­tät, und wir als neue Ab­tei­lung über­nah­men die drit­te  Haupt­auf­ga­be, die Wei­ter­bil­dung. Wir sind von al­len Mo­dell­ver­su­chen in Deut­sch­land als ein­zi­ger übrig­ge­b­lie­ben.“

Tho­mas Wöhrl:
„Sie konn­ten wohl auch fle­xi­b­ler ar­bei­ten als die an­de­ren an der Uni?“

Ju­lia Sch­midt:
„Ja klar! Da un­se­re Kur­se ja be­rufs­be­g­lei­tend wa­ren und im­mer noch sind,  fin­gen die­se da­mals am Frei­ta­gnach­mit­tag erst um 16 Uhr an. Neu wa­ren auch die wöchent­li­chen Abend­ver­an­stal­tun­gen so­wie die ganz­tä­g­i­gen Sams­tags­kur­se mit oft über hun­dert Teil­neh­mern.  Da­mals wa­ren un­se­re Kur­se noch ge­büh­r­en­f­rei, und wir wa­ren mit un­se­ren The­men der Zeit  im­mer weit vor­aus. Wir ha­ben  die Ten­den­zen be­o­b­ach­tet und hat­ten die The­men schon vor­be­rei­tet, bis sie dann ak­tu­ell wur­den. Wir be­sa­ßen den Ruf, stets dem Markt vor­aus zu sein und  neue The­men als ers­te an­zu­bie­ten.“

In­grid Ma­letz­ki:
„Wir ha­ben da­mals auch schon die ers­ten Aus­lands­se­mi­na­re zu ak­tu­el­len Wirt­schafts­fra­gen des je­wei­li­gen Lan­des durch­ge­führt, z.B. in Man­ches­ter, Wi­en, Stock­holm, To­kio, Ve­ne­dig, Leip­zig (1986!), Free­town/Si­er­ra Leo­ne und so­gar Mos­kau. Auch im De­sign un­se­rer quad­ra­ti­schen Pro­gramm­hef­te wa­ren wir die Vor­rei­ter, an­de­re An­bie­ter der Wei­ter­bil­dungs­sze­ne ha­ben uns oft­mals ko­piert. Auch die neue Ver­an­stal­tungs­rei­he ‚Schwä­b­i­scher Kunst­som­mer‘ wur­de von uns ge­prägt, erst spä­ter sind dann vie­le an­de­re die­sem Mo­dell ge­folgt. Lei­der wur­de das Pro­jekt nach 20 er­folg­rei­chen Jah­ren vom Mi­nis­te­ri­um ge­stoppt.“

Ju­lia Sch­midt:
„Im frühe­ren Sprach­ge­brauch war Herr Kochs ein Pa­tri­arch, ein sehr viel­sei­ti­ger und in­spi­rie­ren­der Chef mit vie­len Vi­sio­nen, die er größ­t­en­teils mit uns als Team auch um­set­zen konn­te. Wir hat­ten sehr viel Ar­beit, und er be­zog uns im­mer ins Ar­beits­ge­sche­hen mit ein. Durch sei­ne De­vi­se ‚lear­ning by doing‘ ha­ben wir sehr viel von ihm ge­lernt. Es war ei­ne Zeit, die wir nicht mis­sen möch­ten! Da uns die­se Team­ar­beit sehr viel Spaß und Freue ge­macht hat, sind wir nie auf die Idee ge­kom­men, die Ar­beits­s­tel­le zu wech­seln.“

Tho­mas Wöhrl:
„Al­so kann man sa­gen, dass Ih­re Tä­tig­keit beim Kon­takt­stu­di­um/ZWW seit den Pio­nier­zei­ten sehr viel­sei­tig und ab­wechs­lungs­reich war, und dass es ins­ge­s­amt auch ge­nau das Rich­ti­ge für Sie war, zu dem Sie sich da­mals un­be­kann­ter­wei­se ent­schie­den hat­ten. Das ist ja ei­ne sc­hö­ne Bi­lanz, zu der ich Sie sehr be­glück­wün­sche. Frau Sch­midt, Frau Ma­letz­ki, ich dan­ke Ih­nen für die­se le­ben­di­gen Ein­bli­cke in die An­fän­ge und die Ent­wick­lung Ih­rer Ar­beits­welt an der Re­for­m­u­ni­ver­si­tät Augs­burg.

In­ter­vie­w­er:
Tho­mas Wöhrl, Be­reichs­lei­ter In­hou­se Trai­ning & Con­sul­ting, ZWW am 17.12.2013