Politik und Gesellschaft

Ja­nuar

  • 1.1. In der DDR wird an­s­tel­le des Au­to­kenn­zei­chens "D" das Kenn­zei­chen "DDR" ein­ge­führt.Nach Be­schlüs­sen Li­by­ens und der Län­der des Per­si­schen Gol­fes vom De­zem­ber 1973 wer­den die Erd­öl­p­rei­se aber­mals dras­tisch er­höht.In der Bun­des­re­pu­b­lik wird die Preis­bin­dung für Mar­ken­ar­ti­kel auf­ge­ho­ben. Die Her­s­tel­ler ge­hen ab so­fort zu un­ver­bind­li­chen Preis­emp­feh­lun­gen über.
  • 9.1. Die Bun­des­re­gie­rung be­sch­ließt das "Rah­men­pro­gramm En­er­gie­for­schung" zur bes­se­ren und spar­sa­me­ren Ver­wen­dung von En­er­gie.
  • 10.1. In Ost-Ber­lin wählt der Zen­tral­rat der "Frei­en Deut­schen Ju­gend" (FDJ) Egon Krenz zum neu­en Vor­sit­zen­den.
  • 18.1. Der Bun­des­tag ver­ab­schie­det das Bun­de­s­im­mis­si­ons­schutz­ge­setz, das das Kern­stück der Um­welt­schutz­ge­setz­ge­bung dar­s­tellt. Das Ge­setz er­mög­licht die Er­he­bung um­welt­schüt­zen­der Aufla­gen für In­du­s­trie- und Ge­wer­be­be­trie­be, Heiz­wer­ke und Müll­ver­b­ren­nungs­an­la­gen so­wie für Bau­ma­schi­nen und Fahr­zeu­ge.
  • 19.1. Die fran­zö­si­sche Re­gie­rung be­sch­ließt über­ra­schend, vom Sys­tem fes­ter Pa­ri­tä­ten in der Wäh­rungs­po­li­tik zum so­ge­nann­ten Floa­ting, das heißt zur Frei­ga­be des Franc-Wech­sel­kur­ses, über­zu­ge­hen. Fran­k­reich schei­det da­mit aus dem Wäh­rungs­ver­bund der Eu­ro­päi­schen Ge­mein­schaft (EG) aus. Der Be­schluss wird mit der nach­tei­li­gen Aus­wir­kung der Ro­h­öl­verteue­rung auf die fran­zö­si­sche Wirt­schaft be­grün­det.

Fe­bruar

  • 6.2. Bund und Län­der be­sch­lie­ßen ein So­fort­pro­gramm für Ge­bie­te mit be­son­de­ren Struk­tur­pro­b­le­men.
  • 8.2. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ju­gend, Fa­mi­lie und Ge­sund­heit gibt in Bonn sei­nen Plan zur Ein­rich­tung von 50 staat­li­chen Fa­mi­li­en­pla­nungs- und Se­xual­be­ra­tungs­s­tel­len be­kannt.
  • 11.-13.2. Die In­ter­na­tio­na­le En­er­gie-Kon­fe­renz, zu­sam­men­ge­setzt aus den EG-Mit­g­lied­staa­ten, der USA und Ka­na­da, be­rät in Was­hing­ton über ein ge­mein­sa­mes Vor­ge­hen zur Be­wäl­ti­gung der En­er­gie­kri­se und be­sch­ließt die Grün­dung ei­ner in­ter­na­tio­na­len En­er­gie-Agen­tur.
  • 13.2. In der Bun­des­re­pu­b­lik wer­den die Löh­ne und Ge­häl­ter im öf­f­ent­li­chen Di­enst um 11 Pro­zent er­höht.

März

  • 4.3. In Köln wird das neue Rö­misch-Ger­ma­ni­sche Mu­se­um er­öff­net.
  • 6.3. In Düs­sel­dorf be­sch­ließt die nord­r­hein-west­fä­li­sche Lan­des­re­gie­rung die Grün­dung der ers­ten Fern­u­ni­ver­si­tät der Bun­des­re­pu­b­lik in Ha­gen. Da­mit sol­len die über­füll­ten Hoch­schu­len des Lan­des ent­las­tet wer­den.
  • 14.3. Der stell­ver­t­re­ten­de Au­ßen­mi­nis­ter der DDR, Kurt Nier und der bun­des­deut­sche Staats­se­k­re­tär der Bun­des­re­pu­b­lik Gün­ter Gaus un­ter­zeich­nen in Bonn das Pro­to­koll über die Er­rich­tung "Stän­di­ger Ver­t­re­tun­gen".
  • 15.3. Das neue Bun­des­per­so­nal­ver­t­re­tungs­ge­setz stärkt die Un­ab­hän­gig­keit der Per­so­nal­rä­te und die Po­si­ti­on der Ge­werk­schaf­ten.
  • 18.3. Die Or­ga­ni­sa­ti­on der ara­bi­schen Erd­öl­ex­por­tie­ren­den Län­der (OA­PEC) be­sch­ließt, das ge­gen die USA ver­häng­te Lie­fe­rem­bar­go auf­zu­he­ben. Auch die Lie­fe­run­gen in Staa­ten wie der Bun­des­re­pu­b­lik Deut­sch­land fin­den wie­der in vol­lem Um­fang statt. Für die Nie­der­lan­de und Dä­ne­mark bleibt das Ölem­bar­go noch bis Ju­li be­ste­hen.
  • 21.3. Der Bun­des­tag ver­ab­schie­det ein Ge­setz, nach dem die Kran­ken­kas­sen künf­tig die ärzt­li­che Be­ra­tung über Emp­fäng­nis­ver­hü­tung, le­ga­le Schwan­ger­schafts­ab­brüche und die frei­wil­li­ge Ste­ri­li­sa­ti­on von Frau­en und Män­nern be­zah­len müs­sen. Die Er­stat­tung von Ver­hü­tungs­mit­teln ist von der Re­ge­lung aus­ge­nom­men.
  • 22.3. In der Bun­des­re­pu­b­lik wird die Voll­jäh­rig­keit von 21 auf 18 Jah­re her­ab­ge­setzt und die Ehe­mün­dig­keit der Frau­en von 16 auf 18 Jah­re her­auf­ge­setzt.Die sie­ben An­rai­ner­staa­ten der Ost­see un­ter­zeich­nen in Hel­sin­ki/Finn­land ein Ab­kom­men zum Schutz der Mee­re­s­um­welt.
  • 27.3. In Bonn legt der im März 1973 ein­ge­setz­te Un­ter­su­chungs­aus­schuss des Bun­des­ta­ges sei­nen Be­richt zur Be­s­te­chungs­af­fä­re um den CDU-Ab­ge­ord­ne­ten Ju­li­us Stei­ner vor, der an­geb­lich 1972 von dem da­ma­li­gen SPD-Frak­ti­ons­ge­schäfts­füh­rer Karl Wi­enand ge­gen ei­ne Zah­lung da­zu ver­an­lasst wur­de, beim kon­struk­ti­ven Mis­s­trau­ens­vo­tum der CDU/CSU für Bun­des­kanz­ler Wil­ly Brandt zu stim­men. Je­doch las­sen sich für die ge­gen Wi­enand er­ho­be­nen Vor­wür­fe kei­ne aus­rei­chen­den Be­wei­se fin­den.

April

  • 1.4. Als ers­tes deut­sches Bun­des­land ge­währt Ham­burg sei­nen Ar­beit­neh­mern den so­ge­nann­ten Bil­dungs­ur­laub. Künf­tig ist es den Ar­beit­neh­mern des Stadt­staa­tes bei vol­lem Lohn­aus­g­leich mög­lich, über den Er­ho­lungs­ur­laub hin­aus al­le zwei Jah­re für 14 Ta­ge ei­nen Bil­dungs­ur­laub in An­spruch zu neh­men.
  • 4.4. In der Bun­des­re­pu­b­lik wird ei­ne Mo­no­pol­kom­mis­si­on zur Be­gu­t­ach­tung von Un­ter­neh­mens­kon­zen­t­ra­tio­nen ge­schaf­fen. 
  • 19.-24.4. Staats­be­such von Bun­des­kanz­ler Wil­ly Brandt in Al­ge­ri­en und Ägyp­ten. Es ist der ers­te of­fi­zi­el­le Be­such ei­nes Bun­des­kanz­lers in den bei­den ara­bi­schen Län­dern.
  • 24.4. Der per­sön­lich Re­fe­rent von Bun­des­kanz­ler Brandt, Gün­ter Guil­lau­me, wird un­ter dem Ver­dacht der Spio­na­ge für die DDR fest­ge­nom­men.Un­ter­zeich­nung des deutsch-ame­ri­ka­ni­schen Ab­kom­mens zum Aus­g­leich der US-ame­ri­ka­ni­schen Kos­ten bei der Sta­tio­nie­rung von St­reit­kräf­ten in der Bun­des­re­pu­b­lik.Ab­schluss des Ab­kom­mens zwi­schen der Bun­des­re­pu­b­lik und der DDR über den nicht­kom­mer­zi­el­len Ver­rech­nungs- und Zah­lungs­ver­kehr und über das Ge­sund­heits­we­sen.
  • 26.4. Grün­dung ei­nes Wis­sen­schaft­li­chen Ra­tes für Um­welt­fra­gen un­ter Lei­tung von Prof. Dr. Hans Mot­tek an der Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten der DDR in Ost-Ber­lin.

Mai

  • 1.5. Um Ver­stö­ße ge­gen die Stra­ßen­ver­kehrs­ord­nung bes­ser kon­trol­lie­ren zu kön­nen, be­ginnt das Kraft­fahrt­bun­de­s­amt in Flens­burg, in der "Ver­kehrs­sün­der­kar­tei" Straf­punk­te auf­zu­zeich­nen.
  • 2.5. Die je­wei­li­gen "Stän­di­gen Ver­t­re­tun­gen" bei­der deut­scher Staa­ten neh­men in Bonn und Ost-Ber­lin die Ar­beit auf.In Müns­ter/West­fa­len wird der ers­te "All­wet­ter­zoo" der Welt er­öff­net, in dem sämt­li­che Tier­ge­he­ge von über­dach­ten We­gen aus auch bei sch­lech­tem Wet­ter be­trach­tet wer­den kön­nen.
  • 6.5. Bun­des­kanz­ler Wil­ly Brandt tritt im Ver­lauf der Agen­ten­af­fä­re um denD­DR-Spi­on Gün­ter Guil­lau­me über­ra­schend zu­rück. In sei­nem Rück­tritts­sch­rei­ben er­klärt Brandt, er über­neh­me da­mit die Ver­ant­wor­tung "für Fahr­läs­sig­kei­ten" im Zu­sam­men­hang mit der Af­fä­re und be­tont, dass ein Kanz­ler nicht "er­press­bar" sein dür­fe.
  • 8.5. Der "Deut­sche Sport­bund" (DSB) der Bun­des­re­pu­b­lik und der "Deut­sche­Turn- und Sport­bund" (DTSB) der DDR sch­lie­ßen ein Sport­ab­kom­men, in dem 33 Ver­an­stal­tun­gen ve­r­ein­bart wer­den.
  • 9.5. Auf Vor­schlag Wil­ly Brandts no­mi­niert die SPD den am­tie­ren­den Fi­nanz­mi­nis­ter Hel­mut Sch­midt zum Kan­di­da­ten für die Wahl des neu­en Bun­des­kanz­ler­sam 16. Mai 1974.
  • 15.5. Wal­ter Scheel wird als Nach­fol­ger von Gu­s­tav Hei­ne­mann von der Bun­des­ver­samm­lung im 1. Wahl­gang mit 530 Stim­men bei5 Stim­m­ent­hal­tun­gen zum Bun­des­prä­si­den­ten ge­wählt. Auf den Kan­di­da­ten der CDU/CSU, Ri­chard von Weiz­sä­cker, ent­fal­len 498 Stim­men.
  • 16.5. Der Deut­sche Bun­des­tag wählt Hel­mut Sch­midt zum Bun­des­kanz­ler.Die so­zial-li­be­ra­le Koa­li­ti­on wird fort­ge­setzt. Neu­er Vi­ze­kanz­ler wird Hans-Die­trich Gen­scher.
  • 19.5. In Fran­k­reich wird der Un­ab­hän­gi­ge Re­pu­b­li­ka­ner Valéry Gis­card d'Es­taing  zum Staats­prä­si­den­ten ge­wählt.

Ju­ni

  • 5.6. Der Bun­des­tag be­sch­ließt zum zwei­ten Mal, um den Ein­spruch des Bun­des­rats zu über­stim­men, das be­reits am 26. April vom Par­la­ment ver­ab­schie­de­te Ge­setz zur Re­form des Straf­rechts­pa­ra­gra­phen § 218. Die ver­ab­schie­de­te Fris­ten­lö­sung le­ga­li­siert den Schwan­ger­schafts­ab­bruch inn­er­halb der ers­ten drei Mo­na­te nach der Emp­fäng­nis. Vor­aus­set­zung da­für ist, dass sich die Schwan­ge­re vor dem Ein­griff ei­ner Be­ra­tung durch ei­nen Arzt un­ter­zieht.
  • 6.6. Der Bun­des­tag setzt ei­nen par­la­men­ta­ri­schen Un­ter­su­chungs­aus­schuss zum Fall Guil­lau­me ein. 
  • 18.6. Der Bun­des­tag be­sch­ließt ein­stim­mig ei­ne um­fas­sen­de Re­form des Le­bens­mit­tel­rech­tes, das die Ver­brau­cher vor Täu­schun­gen und ge­sund­heit­li­chen Schä­den schüt­zen soll. So darf un­ter an­de­rem für Ta­bak­wa­ren künf­tig kei­ne Rund­funk- und TV-Wer­bung be­trie­ben wer­den.
  • 19.6. Der Bun­des­tag ver­ab­schie­det ein Ge­setz über die Er­rich­tung des Um­welt­bun­de­sam­tes in West-Ber­lin. Am 20. Ju­ni pro­tes­tiert das DDR-Au­ßen­mi­nis­te­ri­um da­ge­gen, da sei­ner An­sicht nach ein neu­es Bun­de­s­amt in der ge­teil­ten Stadt ge­gen das Vier­mäch­te­ab­kom­men von 1971 ver­stößt.
  • 21.6. Die am 5. Ju­ni durch den Bun­des­tag be­sch­los­se­ne so­ge­nann­te Fris­ten­lö­sung für den Schwan­ger­schafts­ab­bruch wird durch ei­ne einst­wei­li­ge Ver­fü­gung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aus­ge­setzt.
  • 26.6. Das Bun­des­auf­sicht­s­amt für Kre­dit­we­sen in West-Ber­lin ent­zieht dem pri­va­ten Köl­ner Bank­haus Iwan D. Her­statt die Er­laub­nis zur Fort­füh­rung des Bank­ge­schäf­tes. Ho­he Ver­lus­te im De­vi­sen­ter­min­han­del und be­trü­ge­ri­sche Ak­ti­vi­tä­ten lei­ten­der An­ge­s­tell­ter hat­ten zur größ­ten Ban­ken­p­lei­te seit der Welt­wirt­schafts­kri­se 1929 bei­ge­tra­gen. Der Zu­sam­men­bruch der Bank und der da­mit ver­bun­de­ne Ver­trau­ens­schwund sei­tens der Spa­rer in pri­va­te Kre­di­t­in­sti­tu­te zieht wei­te­re Bank­häu­ser der Bun­des­re­pu­b­lik in Mit­lei­den­schaft.
  • 26./27.6. In Ost-Ber­lin fin­det die wirt­schafts­wis­sen­schaft­li­che Kon­fe­renz zur "Wir­kungs­wei­se der öko­no­mi­schen Ge­set­ze des So­zia­lis­mus" statt.

Ju­li

  • 15.7. In Ab­spra­che mit der 1967 durch ei­nen Staats­st­reich an die Macht ge­kom­me­ne grie­chi­schen Mi­li­tär­j­un­ta putscht die von grie­chi­schen Of­fi­zie­ren kom­man­dier­te Na­tio­nal­gar­de Zy­perns.
  • 17.7. Der Iran er­wirbt 25,04 Pro­zent des Grund­ka­pi­tals der Bochu­mer Toch­ter­ge­sell­schaft Krupp Hüt­ten­wer­ke AG.
  • 20.7. Un­ter dem Ein­druck ei­nes dro­hen­den An­schlus­ses der In­sel an Grie­chen­land lan­den tür­ki­sche Trup­pen auf der In­sel und be­set­zen den Nor­den Zy­perns.
  • 25.7. Nach er­neu­ter Ab­stim­mung mit den west­li­chen Al­li­ier­ten tritt das Ge­setz über das Um­welt­bun­de­s­amt in West-Ber­lin in Kraft. Das Um­welt­bun­de­s­amt hat die Auf­ga­be, sich vor­wie­gend mit wis­sen­schaft­li­chen und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Fra­gen des Um­welt­schut­zes au­s­ein­an­der­zu­set­zen.
  • 26.7. Et­wa 35.000 Spa­rer er­hal­ten nach dem Zu­sam­men­bruch der Her­statt-Bank ihr Geld aus dem von deut­schen Ban­ken in Höhe von 130 Mil­li­ar­den D-Mark an­ge­leg­ten "Feu­er­wehr­fonds" zu­rück.

Au­gust

  • 5.8. Der Bun­des­tag ver­ab­schie­det das Ein­kom­mens­steu­er­re­form­ge­setz, das den Fa­mi­li­en­las­ten­aus­g­leich und die Spar­för­de­rung re­gelt.
  • 9.8. Der US-ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent Ri­chard M. Ni­xon er­klärt auf­grund der "Wa­ter­ga­te-Af­fä­re" sei­nen Rück­tritt. Sein Nach­fol­ger wird Ge­rald R. Ford. Im Ju­ni 1972 war im Was­hing­to­ner Wa­ter­ga­te-Ho­tel, dem Wahl­kampf­quar­tier der De­mo­k­ra­ten, ein­ge­bro­chen wor­den. Die Ver­bin­dun­gen zwi­schen den Ein­b­re­chern und dem "Ko­mi­tee zur Wie­der­wahl des Prä­si­den­ten" führ­ten zu ei­ner er­heb­li­chen Be­las­tung engs­ter Mit­ar­bei­ter Ni­xons und sch­ließ­lich des Prä­si­den­ten selbst.
  • 21.8. Die Gen­fer Abrüs­tungs­kon­fe­renz be­sch­ließt die Er­wei­te­rung ih­res Teil­neh­mer­k­rei­ses auf 31 Län­der. Neue Mit­g­lie­der wer­den zum 1. Ja­nuar 1975 die Bun­des­re­pu­b­lik Deut­sch­land, die DDR, Pe­ru, Zai­re und der Iran.

Sep­tem­ber

  • 5.9. Ab­schluss des Erd­gas­lie­fe­rungs­ver­tra­ges zwi­schen der Bun­des­re­pu­b­lik und der So­wjet­u­ni­on. Der Ver­trag sieht so­wje­ti­sche Lie­fe­run­gen bis zum Jahr 2000 vor.
  • 13.9. RAF-Häft­lin­ge in ver­schie­de­nen Haf­t­an­stal­ten der Bun­des­re­pu­b­lik tre­ten aus Pro­test ge­gen die Haft­be­din­gun­gen in den Hun­ger­st­reik.
  • 14.9. Die Staats­bank der DDR be­ginnt mit der Her­aus­ga­be neu­er Ban­k­no­ten, die die Wäh­rungs­be­zeich­nung "Mark der DDR" an­statt der al­ten Be­zeich­nung "Mark der Deut­schen No­ten­bank" tra­gen.
  • 25.9. Auf In­i­tia­ti­ve der deut­schen Prä­si­den­ten­gat­tin Mild­red Scheel kon­sti­tu­iert sich in Bonn der Ve­r­ein der "Deut­schen Krebs­hil­fe".
  • 27.9. Die Volks­kam­mer be­sch­ließt ei­ne Än­de­rung der DDR-Ver­fas­sung; da­nach wird der Be­griff "deut­sche Na­ti­on" aus dem Text ge­tilgt.

Ok­tober

  • 1.10. Hans-Die­trich Gen­scher wird auf dem Bun­de­s­par­tei­tag in Ham­burg als Nach­fol­ger von Wal­ter Scheel zum neu­en F.D.P.-Vor­sit­zen­den ge­wählt.
  • 2.10. Zwi­schen der Bun­des­re­pu­b­lik und der So­wjet­u­ni­on wird ein Lie­fer­ver­trag für Schwer­last­kraft­wa­gen in Höhe von ei­ner Mil­li­ar­de D-Mark an die So­wjet­u­ni­on un­ter­zeich­net.
  • 15.10. Die im Kunst­ve­r­ein Frank­furt/Main star­ten­de Wan­der­aus­stel­lung "Kunst im Na­tio­nal­so­zia­lis­mus" durch­bricht die "Be­rüh­rung­s­angst" im Um­gang mit der Kunst der NS-Zeit.
  • 19.10. Der DDR-Mi­nis­ter­rat be­sch­ließt ei­ne Ver­län­ge­rung der Ur­laubs­zei­ten von 15 auf 18 Ta­ge im Jahr. Schicht­ar­bei­ter er­hal­ten 21 Ur­laubs­ta­ge.
  • 26.10. Der im Vor­jahr ver­dop­pel­te Min­dest­um­tausch für Be­su­cher Ost-Ber­lins be­zie­hungs­wei­se der DDR wird auf 6,50 be­zie­hungs­wei­se 13 D-Mark ge­senkt.

No­vem­ber

  • 1.11. In Bonn wird ein deutsch-pol­ni­sches Zehn­jah­res-Ab­kom­men über die wirt­schaft­li­che, in­du­s­tri­el­le und tech­ni­sche Zu­sam­men­ar­beit un­ter­zeich­net.
  • 9.11. Hol­ger Meins ei­ner der RAF-Häft­lin­ge, stirbt an den Fol­gen sei­nes seit Sep­tem­ber an­dau­ern­den Hun­ger­st­reiks. Dar­auf­hin kommt es in meh­re­ren bun­des­deut­schen Städ­ten zu Pro­test­de­mon­s­t­ra­tio­nen und An­schlä­gen.
  • 10.11. In West-Ber­lin wird der Kam­mer­ge­richts­prä­si­dent Gün­ter von Drenk­mann  er­mor­det. Die Po­li­zei ver­däch­tigt die Un­ter­grund­or­ga­ni­sa­ti­on "Be­we­gung 2. Ju­ni" der Tä­ter­schaft.
  • 13.11. Der Füh­rer der Pa­läs­ti­nen­si­schen Be­f­rei­ungs­front (PLO), Jas­sir Arafat hält sei­ne ers­te An­spra­che vor der UNO-Voll­ver­samm­lung in New York. Da­mit spricht erst­mals ein Nicht­mit­g­lied der UNO vor der Ge­ne­ral­ver­samm­lung.
  • 17.11. Die ka­tho­li­schen Bi­sc­hö­fe in der DDR wen­den sich in ei­nem Hir­ten­brief ge­gen das staat­li­che Er­zie­hungs­mo­no­pol.
  • 22.11. Die DDR-Nach­rich­te­na­gen­tur "All­ge­mei­ner deut­scher Nach­rich­ten­di­enst" (ADN) und die "Deut­sche Pres­se-Agen­tur" (dpa) der Bun­des­re­pu­b­lik un­ter­sch­rei­ben ei­nen Ver­trag über den Aus­tausch von Nach­rich­ten.
  • 29.11. Horst Mah­ler und Ul­ri­ke Mein­hof wer­den in West-Ber­lin we­gen Mord­ver­suchs bei der Baa­der-Be­f­rei­ung zu 14 be­zie­hungs­wei­se acht Jah­ren Frei­heits­stra­fe ver­ur­teilt.

De­zem­ber

  • 4.12. Der fran­zö­si­sche Schrift­s­tel­ler und Phi­lo­soph Je­an Paul Sart­re be­sucht And­reas Baa­der im Ge­fäng­nis Stutt­gart-Stamm­heim und kri­ti­siert die dor­ti­gen Haft­be­din­gun­gen.
  • 5.12. Der Bun­des­tag stellt der Bun­des­re­gie­rung ein­stim­mig ei­ne fünf­jäh­ri­ge "Blan­ko­voll­macht" für Ge­gen­maß­nah­men im Fall ei­ner neu­en En­er­gie­kri­se aus.
  • 8.12. Die So­wjet­u­ni­on und sie­ben an­de­re kom­mu­nis­ti­sche Län­der ge­ben ih­ren Boy­kott der dies­jäh­ri­gen No­bel­p­reis­ver­lei­hung be­kannt. An­lass ist die nach­träg­li­che Ver­lei­hung des Li­te­ra­turno­bel­p­rei­ses von 1970 an den so­wje­ti­schen Exil­li­te­ra­ten Alex­an­der I. Sol­sche­ni­zyn.
  • 9.12. Die DDR gibt of­fi­zi­ell die Be­f­rei­ung der Rent­ner vom ver­bind­li­chen Min­dest­um­tausch bei Ein­rei­se in die DDR und Ost-Ber­lin be­kannt. Die Re­ge­lung tritt am 20.12.1974 in Kraft.
  • 9./10.12. In Pa­ris fin­det die Kon­fe­renz der Staats- und Re­gie­rungs­chefs der Eu­ro­päi­schen Ge­mein­schaft (EG) statt. Sie be­sch­lie­ßen, drei­mal jähr­lich als Rat der Ge­mein­schaft und im Rah­men der po­li­ti­schen Zu­sam­men­ar­beit zu­sam­men­kom­men. Da­mit wird der "Eu­ro­päi­sche Rat" ge­grün­det.
  • 11.12. Ab­schluss des Ab­kom­mens über den Trans­port West-Ber­li­ner Haus­mülls in die DDR.12.12. Der Bun­des­tag ver­ab­schie­det das neue Hoch­schul­rah­men­ge­setz. Es zielt vor al­lem auf ei­ne Stu­di­en­re­form mit Re­gel­stu­di­en­zei­ten und auf die Neu­ord­nung des Hoch­schul­zu­gangs ab. Ei­ner der zen­tra­len Punk­te ist die Mit­be­stim­mung in den ent­schei­dungs­be­fug­ten Selbst­ver­wal­tungs­g­re­mi­en der Hoch­schu­len.
  • 26.12. In Ham­burg wird der neue Elb­tun­nel er­öff­net.