Projekt: Auslandseinsatz

Sechs Jahre verbrachte Christian Gebler (Vorstand des Start-ups „Talente für die Region" e.V.) als Expatriat mit seiner Familie im Ausland. In seinem Vortrag am ZWW gibt er Einblicke in diese spannende und lehrreiche Zeit.

“Mut, Kreativität und Durchhaltevermögen sind sicherlich die wichtigsten Eigenschaften, die man für einen längeren Arbeitsaufenthalt im Ausland benötigt“, fasst Christian Gebler zusammen.

Nach seinem Studium des International Managements an der Hochschule Augsburg begann er seine Karriere als Verkaufsberater eines liechtensteinischen Werkzeugherstellers. Schon nach einer ersten holprigen Woche lernte er eine wichtige Lektion kennen, welche Ihn für spätere Führungspositionen stets leitete. „Finde dein eigenes Konzept und ziehe es durch, wenn du davon überzeugt bist. Auch dann, wenn kein anderer daran glaubt, dass es funktioniert.“ Seine Idee war es, anstatt seine Kunden mit dem Auto zu besuchen und nur wenige Produkte präsentieren zu können, sie durch die Ausstellungs-Center der Firma zu führen, um ihnen dort die komplette Produktpalette zu zeigen. Anfangs von den Kollegen belächelt, wurde er auf diese Weise, trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten, einer der erfolgreichsten Sales Manager der Firma. So kam es nicht von ungefähr, dass er bald einen Anruf des Geschäftsführers erhielt. Dieser ließ ihn wissen, dass er als Verkaufsleiter in Neustadt an der Weinstraße in der Pfalz sein eigenes Team leiten dürfe. Es folgte also der erste berufsbedingte Umzug, noch nicht ins Ausland, aber ein gutes Stück weg von Zuhause.

Die neue Position lehrte Christian Gebler eine weitere prägende Lektion: „Spiele nicht den Oberlehrer. Steig in das Auto deiner Mitarbeiter und lern Sie kennen. Hör Ihnen zu, erkenne ihre Stärken und Schwächen und entwickle dein Team weiter.“ Mit dieser Herangehensweise meisterte er dieses Kapitel mit Bravour und erhielt nach vier erfolgreichen Jahren in der Pfalz einen weiteren Anruf, der es „in sich hatte“. Er solle befördert werden und für die Firma zunächst nach Maskat (Oman), später nach Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) ziehen, um dort das Geschäft auszubauen. Trotz Heimweh und mehrfachen Problemstellungen blieb die Familie letztlich ganze sechs Jahre im Mittleren Osten.

Während Christian Gebler über diese Zeit sehr emotional berichtet, wird klar, dass ein Auslandseinsatz vor allem Durchhaltevermögen fordert, denn es gibt einige schwierige Situationen zu meistern: Der Sohn, der sich anfangs schwer tut neue Freunde zu finden und die Frau, die mit kulturellen Unterschieden und Herausforderungen kämpft. Doch selbst als Termiten den Umzugscontainer der Familie befallen und viele persönliche Erinnerungen aus der Heimat verloren gehen, geben die Geblers nicht auf und versuchen sich eine Existenz in den fremden Ländern aufzubauen. Der Sohn findet schließlich Anschluss, lernt Englisch und Arabisch und die Ehefrau ist unterstützend in der Internationalen Schule des Sohnes tätig. Aber auch der Job ist nun alles andere als ein Selbstläufer: Vertriebsstrategien, die in Deutschland funktionieren, gehen dort nicht auf und Kommunikationsprobleme erschweren den Arbeitsalltag. Hier kommt es auf Kreativität an und Christian Gebler findet seinen eigenen Weg, die bei ihm tätigen Führungskräfte weiter zu entwickeln. Die wichtigste Lektion, die er lernt: „Notiere die Aufgaben, die du weitergibst und gib deinen Mitarbeitern ebenfalls Zettel und Stift. So stellst du sicher, dass die Aufgabe erledigt wird, wie sie delegiert wurde.“

Als die Zeit in der Ferne zu Ende geht und die Familie zurück nach Deutschland kehrt, blickt sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Und das wirklich Positive fasst Christian Gebler am Ende folgendermaßen zusammen: „Die Erfahrung kann einem niemand mehr nehmen.“