Profiling People oder die Macht der Menschenkenntnis

Im Privatleben, bei der Mitarbeiterführung, in Verhandlungen oder bei geschäftlichen Gesprächen: Menschenkenntnis zu besitzen ist ein entscheidender Vorteil.

Bei einem Vortrag im Rahmen der HR-Speaker Series des Zentrums für Weiterbildung und Wissenstransfer der Universität Augsburg, verrät Profiling-Expertin, Pädagogin, Psychologin, Unternehmerin und Bestseller-Autorin Suzanne Grieger-Langer, wie man Charakterprofile erstellt und in den Kopf des Gegenübers schaut.

Was macht ein Profiler?

Man kennt sie aus Fernsehserien wie „CSI Miami“: Die „Profiler“. Sie werden zum Tatort gerufen, wenn die Polizei nicht mehr weiter weiß. Sie sind das Ass im Ärmel der Beamten. Sie analysieren den Tatort und die Leiche, jeder gefundene Fußabdruck, jeder Zigarettenstummel am Tatort hat für sie Bedeutung. Nach einigen Minuten schon erläutern sie Motiv und Persönlichkeitsprofil des Täters. Was aber hat ein Profiler in der Wirtschaft zu suchen und wann wird er eingesetzt?

„Während meine kriminalistischen Kollegen nur den Tatort als Zeugen haben, bin ich vorne am Typen dran. Ich bin Character Profiler“, erklärt Profiler Suzanne. Sie kommt nicht „past-crime“ zum Einsatz, sondern „pre-crime“ und prüft, ob der Kandidat etwas taugt und man ihm die Verantwortung für den Job übertragen kann. „Eignungsdiagnostik“ nennt sie ihre Aufgabe. Nicht in fachlicher, sondern charakterlicher Hinsicht. Zu ihrem Beruf gehört es, Firmen vor Tricksern zu bewahren, die sich auf Leistungspositionen bewerben. Als Betrügertypen nennt die Expertin für menschliches Verhalten dem Publikum zwei Sorten: Die Pfeifen (Leistungssimulanten) und die Psychopathen (Loyalitätssimulanten). Vor diesen muss sich der Performer (Leistungsträger) in jedem Falle schützen.

Von Pfeifen und Psychopathen

Die typische Pfeife ist ein Leistungssimulant. Eingehüllt in ein „Ganzkörperkritik-Kondom“ gleitet Kritik an ihr einfach ab, so Profiler Suzanne. Dabei überschätzen sich die Pfeifen enorm, verlangen Applaus, schieben die Schuld auf andere, greifen persönlich an und sind rechthaberisch. Von Beruf oft Sohn oder Tochter stehen diese „mentalen Couch Potatoes“ fröhlich im Weg herum und würden nach Grieger-Langer am meisten helfen, wenn sie bei der Konkurrenz arbeiten. „Wenn Pfeifen fachlich nicht mithalten können, greifen sie unter der Gürtellinie an und werden persönlich“, so die Profilerin. Psychopathen dagegen seien Profis, die darauf getrimmt sind, nur zu profitieren. Sie sind in der Lage die Gefühle anderer sehr gut zu lesen und zu schauspielern. In Folge nutzen sie die Performer für ihre eigenen Ziele und manipulieren diese. Zusammenfassend üben nach Grieger-Langer Pfeifen und Performer eine saubere Gewalt aus – Gewalt, die man nicht sieht.

Die Persönlichkeit „007“

„Die einzige Waffe der Performer gegen Psychopathen und Pfeifen ist, sich zur Persönlichkeit 007 zu entwickeln“, rät Grieger-Langer. Grundstein dafür ist, sich zu orientieren, was der eigene Lebenssinn ist und sich immer wieder nach dem „Warum...?“ seines Tuns und Handelns zu fragen. Zusammen mit dem Treffen von grundsätzlichen Entscheidungen, Disziplin und Achtsamkeit, schließt sich der Kreis mit dem Leben der eigenen Individualität. Diese persönliche Note kennt der Performer aber nur, wenn er sich die erste Frage nach dem persönlichen Sinn gestellt hat. Suzanne Grieger-Langers Sinn steht schon lange fest: Sie tritt an, um die Performer gegen Pfeifen und Psychopathen auf Krawall zu bürsten.