Mythos Fachkräftemangel: Weiterbilden statt Lamentieren

Seit Jahren beklagen viele Unternehmer und Personalverantwortliche, dass Hunderttausende gut ausgebildeter Arbeitskräfte fehlen würden. Das Forschungsinstitut Prognos errechnete, dass bis 2030 drei Millionen Arbeitskräfte fehlen werden. Doch sieht die Wirklichkeit tatsächlich so düster aus?

Karl Brenke, Arbeitsmarktexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), spricht sich in einem Artikel in der Wirtschaftswoche (Quelle: https://bit.ly/3h6dqXw) für das Gegenteil aus: „Das Geschrei der Unternehmen ist viel heiße Luft.“ Er räumt Engpässe und in einigen Sektoren, wie in der Pflege oder im IT-Bereich, durchaus auch einen Mangel an gut ausgebildeten Arbeitnehmern ein. „Von einem flächendeckenden Fachkräftemangel kann aber keine Rede sein“, führt der Experte weiter aus. Auch die aktuellste Engpass-Analyse der Bundesagentur für Arbeit kommt zu einem ähnlichen Ergebnis.

Oftmals sei die Methodik vieler Studien problematisch und im Vergleich wenig aussagekräftig, so dass die Lohnentwicklung für Brenke der einzig zuverlässige Indikator sei, um eine reale Knappheit am Arbeitsmarkt darstellen zu können. „Gäbe es tatsächlich einen Fachkräftemangel, müssten die Reallöhne viel stärker steigen“, fügt Brenke hinzu. Die Reallöhne stiegen jedoch laut statistischem Bundesamt im Jahr 2018 gerade einmal um ein Prozent. "Man dürfe daher 'nicht so tun, als würden uns die Menschen ausgehen. Das stimmt einfach nicht.'“, betont auch Lars Fiehler mit ungewöhnlichen Worten für einen IHK-Geschäftsführer. Vielmehr müssten Geschäftsführer und Manager nach den Ursachen forschen, warum sie keine geeigneten Mitarbeiter finden.

So sieht der Berater und Autor Martin Gaedt bei der Diskussion über einen Fachkräftemangel auch die Unternehmen in der Pflicht. Viele Arbeitgeber würden Bewerbern immer noch nicht genügend Wertschätzung entgegenbringen. Mit besseren Konditionen und möglichen Weiterbildungsmaßnahmen könnten Unternehmen ihre Mitarbeiter enger an sich binden, wovon langfristig betrachtet beide Seiten profitieren.

Dringenden Handlungsbedarf sieht daher Prof. Dr. Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bei Politik und Wirtschaft. Er betont: „Wir brauchen eine Weiterbildungspolitik“, damit Weiterbildungsmöglichkeiten ausgebaut werden, um den digitalen Wandel gut bewältigen zu können. Dem können wir am Zentrum für Weiterbildung und Wissenstransfer (ZWW) uneingeschränkt zustimmen!