Finanzwirtschaft und Ethik

Am 25. Februar 2016 durften das ZWW Philosophie-Professor und Kulturstaatsminister a.D. Dr. Nida-Rümelin als Gast der Finance Experts Speaker Series zum Thema Finanzwirtschaft und Ethik an der Universität Augsburg willkommen heißen.

Nach einer Vorstellung des ZWW und einer Laudatio auf Prof. Dr. Nida-Rümelin, gehalten von Prof. Dr. Peter Schettgen, Direktor des ZWW, startete unser Referent in seinen freien Vortrag.

Seit der globalen Bankenkrise 2007 werden wirtschaftliche Entscheidungen stärker nach ethischen Kriterien wie Glaubwürdigkeit, Integrität und Nachhaltigkeit beurteilt. Die enge Verbindung von Ethik und Ökonomie bestreitet demnach niemand mehr. Die Frage auf welchem Handlungsmodell nun eine auch nach ethischen Kriterien erfolgreiche ökonomische Praxis beruht, beantwortet Prof. Dr. Nida-Rümelin in seiner 90-minütigen Rede.

 

Ohne Ethos bleiben Regulierungen wirkungslos

Der Philosoph vertritt die Meinung, dass zuerst ein Ethos, also ein Bewusstsein geltender Werte, etabliert werden und die innere Motivation aller Finanzmarkt-Akteure gestärkt werden müsse, bevor den Rufen nach mehr Regulierung und strengerer Kontrolle nachgegeben wird. Ohne Erstere blieben Letztere wirkungslos.

Auf dem Weg zu dieser Erkenntnis holte Nida-Rümelin – wie es sich für einen Philosophen gebührt – weit aus und nahm die Zuhörer mit auf einen kurzweiligen Exkurs durch Philosophie, Politologie und Ökonomie, der in manchem Zuhörer den spontanen Wunsch weckte, sich für ein Philosophie-Studium einzuschreiben.

 

Intrinsische Motivation der Finanz-Akteure stärken

Die Finanzwirtschaft basiert auf den Prinzipien des Marktes. Dieser bringt jedoch systemische Defizite wie Verteilungsblindheit, Knappheit der Ressourcen und Marktversagen bei öffentlichen Gütern mit sich. Die traditionelle Antwort darauf, so Nida-Rümelin sei der Staat. Zusätzlich müssen aber auch neben durch Staaten und Finanzinstitute gesetzten äußeren Regeln bei den Beteiligten eine innere Motivation zum ethisch richtigen Handeln aufgebaut und gestärkt werden.

Ohne diese innere Motivation würde ein System nur mit Anreiz- und Abschreckungssystemen arbeiten, bräuchte darum immer umfassendere Kontrollmöglichkeiten und immer kleinteiligere, differenzierte Anreize oder eben Strafen. Nicht nur endete ein solcher Staat im Totalitarismus, ein solches System wäre auch unbezahlbar. „Ein Ethos des anständigen Wirtschaftens ist unabdingbar“, erklärte Nida-Rümelin, „alles andere wäre zu teuer.“

 

Abschluss und Diskussion

Nach einem kleinen Abstecher in die antike Philosophie wurde noch auf den Begriff der „Tugendhaftigkeit“ in Verbindung mit anständigem Wirtschaften eingegangen. Eine angeregte Diskussion zwischen dem Referenten und den Zuhörern aus Wissenschaft und Wirtschaft rundete die Veranstaltung ab. Im Anschluss daran hatten die Teilnehmer die Möglichkeit sich bei einem Get-together auszutauschen und den spannenden Vortrag Revue passieren zu lassen.
Weitere Infos zur Finance Experts Speaker Series und unseren Angeboten finden Sie unter www.zww.uni-augsburg.de/finance