Bildungsurlaub ermöglicht Weiterbildung mit Lohnfortzahlung

Lebenslanges Lernen gilt als essentieller Baustein für berufliches Weiterkommen und für die eigene Persönlichkeitsentwicklung. Arbeitnehmer, die regelmäßig ihr Wissen erweitern, haben nachweislich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Und von gut qualifizierten Fachkräften profitieren letztlich auch wieder Unternehmer und Arbeitgeber.

Viele Arbeitnehmer wissen jedoch gar nicht, dass ihnen Bildungsurlaub per Gesetz zusteht. Denn um das Engagement der Beschäftigten politisch zu unterstützen, haben die meisten Bundesländer Regelungen für sogenannte Off-the-job-Weiterbildungen erlassen - für Weiterbildungen also, die außerhalb der Unternehmen durchgeführt werden. Die Bildungsurlaubsgesetze sind jedoch bundesweit nicht einheitlich. So haben Arbeitnehmer in Bayern und Sachsen beispielsweise keinen Anspruch, denn in beiden Ländern existiert kein Bildungsurlaubsgesetz.

Richter und Beamte haben zumindest teilweise Anspruch auf Bildungsurlaub

„Im Falle eines Bildungsurlaubs ist der Arbeitnehmer frei in der Auswahl der Lerninhalte“, sagt Tjark Menssen, Leiter der Rechtsabteilung bei der DGB Rechtsschutz GmbH im Berliner Abendblatt (Quelle: https://bit.ly/3cZIVSt). Der Arbeitnehmer wird für die Zeit des Bildungsurlaubs freigestellt und übernimmt die Weiterbildungskosten bei gleichzeitiger Lohnfortzahlung des Arbeitgebers. Ein Anspruch auf Freistellung besteht nach sechs Monaten Beschäftigungsverhältnis in allen Bundesländern mit Ausnahme von Baden-Württemberg. Hier besteht der Anspruch erst nach zwölf Monaten. Ein Recht auf Bildungsurlaub haben alle Arbeitnehmer und Auszubildenden. Abhängig von den Ländern teilweise auch Richter und Beamte. Oftmals gibt es für diese Berufsgruppen jedoch eine Sonderregelung.

Welche Seminare und Maßnahmen in den jeweiligen Ländern anerkannt sind, kann ebenso variieren. Grundsätzlich gilt hier jedoch, dass das ausgewählte Seminar in dem Bundesland anerkannt sein muss, in welchem sich der Arbeitsplatz befindet. Wenn der schwerpunktmäßige Arbeitsplatz das Homeoffice ist, gilt das Bundesland, in dem sich das Homeoffice befindet. Aber auch für den Fall, dass das Weiterbildungsseminar nur in anderen Bundesländern anerkannt ist, kann der Arbeitgeber auf Nachfrage dennoch zustimmen. Die Zustimmung zu Weiterbildungsmaßnahmen und Bildungsurlaub liegt in letzter Instanz immer beim Arbeitgeber.

Anspruch auf Bildungsurlaub: Oft übertragbar ins Folgejahr

Zumeist handelt es sich bei Bildungsurlaub um einen gesetzlichen Anspruch von fünf Tagen pro Jahr bei einer Vollbeschäftigung an fünf Tagen pro Woche. Im Saarland sind es sechs Tage, die aber durch Eigenanteil, also Freizeit des Arbeitnehmers ergänzt werden müssen. Insgesamt beträgt die tatsächliche Freistellung dadurch sogar nur vier Tage. Oftmals kann der Anspruch auf Bildungsurlaub auch für zwei Jahre zusammengefasst bzw. ins nächste Jahr übertragen werden. Nicht möglich ist dies jedoch in Baden-Württemberg, hier verfällt der Anspruch. Beschäftigte unter 25 Jahren, die in Berlin Bildungsurlaub nehmen möchten, haben sogar Anspruch auf zehn Tage pro Kalenderjahr.

Bildungsurlaub kann generell für politische und berufliche Weiterbildung beantragt werden. In Nordrhein-Westfalen kann der Arbeitgeber bei beruflicher Bildung jedoch beispielsweise einen Mindestbezug des Themas zur ausgeübten Tätigkeit einfordern. Der Antrag sollte sechs Wochen vor Kursbeginn und schriftlich beim Arbeitgeber vorliegen. Ausnahmen bilden hier die Länder Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen mit einer Frist von acht Wochen und Bremen und Niedersachsen mit einer Frist von vier Wochen.

Einen Überblick über die einzelnen Regelungen der Bundesländer können Sie hier auf unserer Webseite finden. Bitte beachten Sie, dass es sich lediglich um eine Zusammenfassung handelt. Für mögliche Änderungen bezüglich von Fristen etc. übernimmt das Zentrum für Weiterbildung und Wissenstransfer (ZWW) der Universität Augsburg keine Haftung.

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