Forum Wissenschaft und Praxis - Wie Integration in Unternehmen gelingt

Seit Angela Merkels „Wir schaffen das!“ zum geflügelten Wort geworden ist, fragen sich Menschen landauf, landab wie in ihrer Lebenswelt die Integration von Flüchtlingen und Migranten gelingen kann.

In Unternehmen und Betrieben stellen sich dabei praktische lebensnahe Fragen ebenso wie Rechts-Fragen und die Suche nach best-practice-Beispielen. Das erste Forum Wissenschaft & Praxis beschäftigte sich mit der Frage, was Unternehmen brauchen, damit sie „es schaffen“.

„Natürlich schaffen wir das. Die Herausforderung ist geringer als die Öffentlichkeit annimmt“, ist etwa Günther Beckstein überzeugt. Der ehemalige bayerische Ministerpräsident zitiert die Erfahrungen der 90er Jahre als hunderttausende Bürgerkriegsflüchtlinge und nahezu zwei Millionen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland kamen. Wichtige Lehren aus dieser Zeit seien, dass der Entscheidunsprozess zwischen Anerkennung oder Abweisung schneller vonstatten gehen müsse und, dass „deutlich mehr dafür getan werden muss, die Menschen hier ins Berufsleben zu integrieren.“ Migranten auszubilden, ist, so Beckstein, eine Investition, die sich mehrfach rechne. Kehren die Fachkräfte in ihre Länder zurück, sind sie Botschafter für die deutsche Wirtschaft, bleiben sie hier, stehen sie gut ausgebildet dem hiesigen Arbeitsmarkt zur Verfügung. Integrationslotsen oder Ausbildungs-Begleiter sind aus Becksteins Sicht nötig, um mehr Migranten und Flüchtlinge zum Ausbildungs-Abschluss zu führen.

Der Arbeitsmarkt und die Statistik

Zuwanderung sichert Wohlstand, verkündet Axel Plünnecke. Der Professor am Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln beschäftigt sich mit dem Fachkräftebedarf in Deutschland. „Dass in technischen Berufen überhaupt ein Beschäftigungs-Wachstum stattgefunden hat, verdanken wir der Zuwanderung“, erklärt Plünnecke. Zuwanderer sichern hierzulande Wohlstand, ohne sie hätte Deutschland ein viel gravierenderes Fachkräfteproblem. Auch zur Abmilderung der Folgen des demographischen Wandels trägt Zuwanderung schon jetzt erheblich bei.

Auch Plünnecke ruft dazu auf, in Bildung zu investieren. Fünzig Prozent der zugewanderten Studierenden an deutschen Hochschulen bleiben nach seiner Aussage nach dem Studium in Deutschland. „Die fiskalische Rendite in Hochschul-Investitionen ist damit enorm.“

Was die gezielte Ausbildung von Zuwanderern angeht, präferiert der Professor jedoch die berufsbegleitende Qualifizierung. Diese ermögliche den Migranten bessere Löhne als die herkömmliche Ausbildungen im dualen System.

Diversity Management statt Zuwanderer-Integration

Die Besonderheiten des dualen Systems hierzulande sind es auch, die die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse erschweren, erklärt Tülay Ates-Brunner. Sie koordiniert bei MigraNet die Arbeitsmarktintegration von Menschen mit Migrationshintergrund in Bayern. Ates-Brunner spricht sich für eine Teil-Qualifizierung der Zugewanderten aus, die Qualifikationen, die die Menschen mitbringen also bereits am Arbeitsplatz zu nutzen und die fehlenden arbeitsbegleitend nachzuqualifizieren. Unterstützung und Finanzierungshilfen für Qualifizierungsmaßnahmen bieten die Kammern. „Wir sind ein Zuwanderungsland“, betont Tülay Ates-Brunner. Die wichtigste strategische Entscheidung in Unternehmen sei demzufolge: „Wie gehen wir mit Andersartigkeit um, so dass sich jeder  mitgenommen fühlt?“ Nötig sei dafür im Unternehmen ein Konzept sowie das Bewußtsein, dass es nicht nur um die Integration von Neuankömmlingen geht, sondern auch der Rest der Belegschaft eingebunden und mitgenommen werden müsse. Eine Herzensangelegenheit in Sachen Integration ist Ates-Brunner die Aufforderung, niemals von schlechten Sprachkenntnissen auf die Fachkenntnisse der Menschen zu schließen, denn „die Sprache kann schließlich gelernt werden.“

Gemeinsame Sprachbasis schafffen

Dabei ist Sprache beziehungsweise das Fehlen einer gemeinsamen Sprachbasis ein Haupthemmnis für die Integration am Arbeitsplatz. Sebastian Fink setzt mit seiner Sprachschule Arcanum Akademie auf unternehmens- und arbeitsplatzspezifische Sprachlern-Konzepte, die Meister oder Anleiter befähigen, auch Mitarbeiter ohne jegliche Deutsch-Kenntnisse, zu qualifizieren.

Forum Wissenschaft und Praxis

Das erste Forum Wissenschaft & Praxis am ZWW fand in Kooperation mit der 4p-Group um Norbert Herrmann statt. Es setzt als Plattform für Networking und Austausch an der Verbindung zwischen Wissenschaft und Praxis an, die alle Weiterbildungs-Veranstaltungen des ZWW prägt und Impulsgeber für neue Ideen und lösungsorientierte Antworten auf Fragen im Unternehmensalltag ist.