Kopfsache: Lernen für Intro- und Extrovertierte

Dr. Sylvia Löhken ist Expertin für intro- und extrovertierte Kommunikation. Die Autorin, promovierte Linguistin und Trainerin, gab im Auditorium des ZWW der Universität Augsburg einen Einblick in die „artgerechten Lebens- und Arbeitsbedingungen“ von introvertierten und extrovertierten Persönlichkeiten.

„Wenn man über das Thema Persönlichkeit spricht, ist die Unterscheidung zwischen nach innen und nach außen gewandten Menschen eine der wichtigsten“, beginnt Dr. Sylvia Löhken ihren Vortrag. Da beide Persönlichkeitspole ihre eigenen Stärken und Schwächen haben ist es unerlässlich zu wissen, was diese Unterschiede ausmacht und wie sie sich manifestieren können. So können Intros und Extros voneinander profitieren und beispielsweise gut in Teams zusammen arbeiten.

Extrovertierte und Introvertierte – was sind die Unterschiede?

Bereits der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung prägte in den Zwanzigerjahren die Begriffe introvertiert und extrovertiert. Damals konnte er noch nicht wissen, dass diese Neigung sogar im Gehirn nachmessbar ist: Introvertierte haben mehr Aktivität im frontalen Kortex und im vorderen Thalamus. In diesen Regionen sind das Lernen, Denken und Problemlösen angesiedelt, aber auch das Sorgen. Bei Extrovertierten dagegen sind der hintere Thalamus und der Inselkortex besonders aktiv. Diese sind vor allem die Andockstellen für Sinneseindrücke; das heißt Extros fühlen sich dann am wohlsten, wenn sie viele Impulse aus der Außenwelt bekommen.  Intros dagegen sind schnell von zu vielen Außeneindrücken überwältigt. Außerdem sind sie eher sicherheitsorientiert, während Extros schneller Risiken eingehen, um attraktive Ziele, wie beispielsweise Beförderungen, zu erreichen. Dabei sind Menschen aber nicht einfach nur Extros oder Intros, sondern oft eine Mischung aus Intro- und Extro-Eigenschaften (meistens mit einem leichten Übergewicht zur einen oder anderen Seite).  Intro- und Extrovertiertheit sind außerdem keine rein neurobiologischen Merkmale, denn wir werden im Laufe unseres Lebens über soziale Gemeinschaften und spezifische Gruppen geprägt.

Artgerechtes Lernen für Intros und Extros

Für Führungskräfte kann es eine entscheidende Frage sein, wie einzelne Mitarbeiter ticken. So erreicht man Introvertierte am besten über Reflexion und Einzelarbeit. Rituale und klare Abläufe sind für Intros ebenso wichtig wie Rückzugsmöglichkeiten. Bei ihnen gilt das Motto „weniger ist mehr“. Vorgesetzte sollten in dieser Gruppe Überstimulation vermeiden, da es einem Introvertierten schwer fällt zu viele Informationen aufzunehmen. Extrovertierte dagegen lernen besser, wenn sie dabei viel Abwechslung haben, also all ihre Sinneskanäle angesprochen werden. Diese  Gruppe möchte Anreize, Risiko und auch Wettbewerb wirkt bei ihnen anspornend und nicht angsteinflößend. In einem Team arbeiten im Idealfall Extros und Intros gemischt, jeder nach seinen individuellen Stärken eingesetzt. Eine der wichtigsten Voraussetzung dafür ist, so Löhken, andere richtig einzuschätzen und auch sich selbst genau zu kennen. „Es geht darum, sich in seiner Persönlichkeit gut auszukennen und das Beste daraus zu machen“, oder, um es mit Worten der extrovertierten Sängerin Dolly Parton zu sagen: „Finde heraus, wer Du bist, und tu es mit Absicht!“