Berufsforscher: Weiterbildungspolitik breit und proaktiv anlegen

Der Wirtschafswissenschaftler Prof. Dr. Enzo Weber leitet den Forschungsbereich „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und findet in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau klare Worte für die Zukunft der Weiterbildung.

Wenn Weiterbildung als lebenslange Aufgabe angesehen wird, handele es sich nicht um Weiterbildung in der Krise, sondern um Weiterbildung gegen die Krise. Und so „wäre eine substanzielle und kontinuierliche Förderung nötig, und nicht nur, wenn nach 20 Jahren der Arbeitsverlust droht“, führt Weber weiter aus. Investitionen in die Qualifizierung der Arbeitskräfte seien daher wichtig, um den Wandel, aber auch die Krise zu bewältigen und die Zukunft zu gestalten.

Seit Jahren schweben die Begriffe Digitalisierung, Transformation und New Work wie ein Damoklesschwert über dem Arbeitsalltag. Sicherlich werden sich die Anforderungen an Qualifikation und Kompetenz durch den technologischen Wandel verschieben und doch zeigen Studien, dass es auch im zukünftigen Arbeitsalltag Arbeit geben wird. Gerade IT-Fähigkeiten, aber auch Kompetenzen wie konzeptionelles und kreatives Denken sowie Abstraktions- und Kommunikationsfähigkeit werden jedoch zunehmend wichtiger und somit auch die berufliche Weiterbildung in diesen Bereichen, konstatiert Enzo Weber.

Durch das Qualifizierungschancengesetz des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales seien die Möglichkeiten der Weiterbildungsförderung bereits verbessert worden - und doch gibt es laut Weber zwei wesentliche „Bildungslücken“, die geschlossen werden müssen. Zum einen greife die Förderung oftmals erst, wenn dem Arbeitnehmer der Arbeitsplatzverlust droht und zum anderen fehle die kontinuierliche Förderung gerade bei beruflicher Umorientierung.

Gerade jetzt in der Corona-Krise käme nach Ansicht des Arbeitsmarkt- und Berufsforschers Weber mehr Unterstützung für Weiterbildung genau richtig, um die unterausgelasteten Kapazitäten vieler Firmen proaktiv nutzen zu können, schreibt der Wirtschafswissenschaftler, der den Lehrstuhl für Empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Regensburg innehat. Außerdem plädiert er für eine Weiterbildungspolitik auf Augenhöhe mit der Erstausbildung, um kommende Herausforderungen meistern zu können und einen nachhaltigen Weg aus der Krise finden zu können. Dieser Aussage können wir am ZWW nur zustimmen!

(Quelle: https://www.fr.de/meinung/weiterbildung-gegen-corona-krise-qualifizierung-bildungsluecken-schliessen-muessen-13791761.html, abgerufen am 9. Juni 2020)